
Streit: Wann es sinnvoll ist zu gehen – und warum du zurückkommen solltest
Streit gehört zu jeder Beziehung – sei es in der Partnerschaft, in der Familie oder im Freundeskreis. Manchmal eskaliert die Situation so sehr, dass die Emotionen überkochen. In solchen Momenten kann es sinnvoll sein, den Raum zu verlassen. Doch genauso wichtig ist es, wieder zurückzukommen. Warum? Weil der andere nicht nur wütend ist, sondern auch das Bedürfnis hat, gehört zu werden.
Warum es helfen kann, den Raum zu verlassen
In hitzigen Diskussionen kommt es oft vor, dass Emotionen die Oberhand gewinnen. Wut, Frust und Enttäuschung lassen uns Dinge sagen, die wir später bereuen. Wenn du merkst, dass du kurz davor bist, unfair zu werden oder dich nicht mehr unter Kontrolle hast, kann es die beste Entscheidung sein, erst einmal aus der Situation zu gehen.
🔹 Abstand schafft Klarheit
Ein kurzer Moment der Ruhe hilft dir, deine Gedanken zu ordnen und zu überlegen, was du eigentlich sagen möchtest.
🔹 Emotionales Hoch herunterfahren
Wut und Ärger sind intensive Gefühle. Wenn du für einen Moment aus der Situation gehst, gibst du dir selbst die Möglichkeit, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
🔹 Vermeidung von verletzenden Aussagen
Oftmals sagen wir in der Hitze des Gefechts Dinge, die wir später bereuen. Indem du dich bewusst rausnimmst, schützt du die Beziehung vor unnötigen Verletzungen.
Doch einfach nur zu gehen, ist nicht genug.
Warum du wieder zurückkommen solltest
Wenn du dich aus einem Streit zurückziehst, kann das beim anderen schnell den Eindruck erwecken, dass du ihn oder seine Gefühle nicht ernst nimmst. Ignoriert zu werden, kann schlimmer sein als der eigentliche Streit.
🔹 Der andere hat das Bedürfnis zu sprechen
Jeder Streit entsteht, weil beide Seiten sich gehört und verstanden fühlen möchten. Wenn du einfach gehst und das Gespräch nicht fortsetzt, fühlt sich dein Gegenüber allein gelassen.
🔹 Lösungen entstehen nur im Dialog
Abstand kann helfen, sich zu beruhigen, aber die eigentlichen Probleme verschwinden dadurch nicht. Um eine Lösung zu finden, ist es notwendig, das Gespräch wieder aufzunehmen.
🔹 Respekt und Verbindung erhalten
Zurückzukommen zeigt, dass dir die Beziehung wichtig ist. Es bedeutet, dass du bereit bist, auf Augenhöhe eine Lösung zu finden, anstatt davonzulaufen.
Wie du es richtig machst: Die Balance zwischen Gehen und Zurückkommen
1️⃣ Erkläre, warum du gehst.
Sag dem anderen, dass du eine kurze Pause brauchst, um dich zu sammeln – und dass du wiederkommst! Beispiel:
„Ich merke, dass ich gerade sehr aufgebracht bin. Ich brauche kurz Zeit, um runterzukommen, aber mir ist das Gespräch wichtig. Lass uns in 15 Minuten weitersprechen.“
2️⃣ Nutze die Pause bewusst.
Gehe spazieren, atme tief durch oder schreibe deine Gedanken auf. Nutze die Zeit nicht, um Argumente zu sammeln, sondern um dich emotional zu beruhigen.
3️⃣ Komme zurück und sei bereit zuzuhören.
Starte das Gespräch mit einer offenen Haltung. Frage den anderen, was ihm wichtig ist, und höre aktiv zu.
Fazit: Streit ist kein Kampf, sondern eine Chance
Ein Streit ist nicht das Ende einer Beziehung – er kann sogar helfen, sie zu vertiefen. Doch dazu braucht es eine gesunde Streitkultur. Manchmal ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten, aber ebenso wichtig ist es, wieder auf den anderen zuzugehen. Denn nur durch ehrlichen Austausch entsteht Verständnis – und das ist die Grundlage für jede starke Verbindung.
Übung: „Unsere Streitregeln“ – Findet euren gemeinsamen Weg
Ziel:
Diese Übung hilft euch, als Paar, Familie oder Team gemeinsame Regeln für einen respektvollen Umgang mit Konflikten zu entwickeln. So sorgt ihr dafür, dass Streit nicht eskaliert, sondern euch weiterbringt.
So geht’s:
🔹 Schritt 1: Reflexion (Einzelarbeit, ca. 5 Minuten)
Jede*r von euch schreibt für sich auf:
Was brauche ich in einem Streit, um mich gehört und respektiert zu fühlen?
Welche Verhaltensweisen verletzen mich oder machen mich wütend?
Was hilft mir, nach einem Streit wieder auf den anderen zuzugehen?
🔹 Schritt 2: Austausch (Partner-/Gruppenarbeit, ca. 10–15 Minuten)
Teilt eure Gedanken miteinander – jede*r spricht aus, was wichtig ist, ohne unterbrochen zu werden.
Achtet darauf, wirklich zuzuhören und nicht gleich zu bewerten.
Erkennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
🔹 Schritt 3: Gemeinsame Regeln festlegen (ca. 10 Minuten)
Jetzt formuliert ihr 5–7 Streitregeln, die für euch alle gelten. Beispiele:
✅ Wir hören einander aus, ohne zu unterbrechen.
✅ Wenn es zu emotional wird, nehmen wir eine Pause – aber wir kommen zurück.
✅ Keine Beleidigungen oder Schuldzuweisungen.
✅ Wir konzentrieren uns auf Lösungen, nicht auf Vorwürfe.
🔹 Schritt 4: Regeln sichtbar machen
Schreibt eure Streitregeln auf und hängt sie an einem gut sichtbaren Ort auf – oder speichert sie als Notiz im Handy. So könnt ihr euch immer wieder daran erinnern.
Warum ist das so wichtig?
Wenn ihr eure Regeln gemeinsam festlegt, entsteht Verbindlichkeit. Ihr sorgt dafür, dass jeder gehört wird und Streit nicht eskaliert, sondern zur Lösung beiträgt.
✨ Tipp: Überlegt euch ein Codewort, mit dem ihr euch im Streitfall an eure Regeln erinnert. Das kann ein lustiges Wort sein oder einfach „Pause“.
Macht die Übung doch direkt heute! 😊