Sexuelle Unlust bei Frauen: Warum die Lust in einer Beziehung verschwinden kann
„Früher hatte ich Lust auf Sex, heute könnte ich gut darauf verzichten.“ Viele Frauen erleben Phasen, in denen sexuelles Verlangen deutlich abnimmt. Für die Partnerschaft kann das belastend werden, besonders wenn der andere Partner Sexualität vermisst und die fehlende Lust als persönliche Zurückweisung erlebt.
Ist es normal, nicht von selbst Lust auf Sex zu bekommen?
Eine verbreitete Vorstellung lautet: Erst entsteht sexuelle Lust, anschließend sucht man sexuelle Nähe.
So kann Sexualität funktionieren. Sie muss aber nicht immer so beginnen.
Manche Menschen erleben häufig spontane Lust. Bei anderen entsteht sexuelles Interesse eher als Reaktion auf einen passenden Kontext, angenehme Berührung, erotische Stimulation oder bereits begonnene Nähe.
Spontane Lust
Sexuelles Verlangen ist bereits vorhanden. Die Person sucht anschließend sexuelle Nähe oder Stimulation.
Responsive Lust
Sexuelles Interesse entwickelt sich erst, wenn ein angenehmer erotischer oder körperlicher Kontext entstanden ist.
Wann wird wenig Lust überhaupt zu einem Problem?
Nicht jede Frau mit wenig sexuellem Interesse hat eine sexuelle Störung.
Manche Frauen möchten schlicht weniger häufig Sex als ihr Partner und empfinden ihre eigene Sexualität nicht als problematisch.
Belastend wird die Situation häufig dann, wenn die Frau selbst unter der Veränderung leidet oder wenn unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse zu Druck, Rückzug und wiederkehrenden Beziehungskonflikten führen.
Warum kann sexuelle Lust verschwinden?
Häufig gibt es nicht den einen Grund. Mehrere Faktoren können gleichzeitig zusammenwirken.
Stress und Erschöpfung
Wer dauerhaft funktioniert, organisiert und kaum Erholung erlebt, findet möglicherweise schwerer Zugang zu einem erotischen Zustand.
Beziehungskonflikte
Verletzung, Ärger, emotionale Distanz oder ungelöste Konflikte können sexuelles Interesse beeinflussen.
Körperliche Veränderungen
Schwangerschaft, die Zeit nach einer Geburt, Wechseljahre, Erkrankungen oder andere körperliche Veränderungen können Sexualität beeinflussen.
Medikamente
Bestimmte Medikamente können sexuelles Interesse oder die sexuelle Reaktionsfähigkeit beeinflussen.
Sex, der wenig Lust macht
Wenn sexuelle Begegnungen wenig erregend, unangenehm oder vorhersehbar sind, kann auch die Motivation sinken, sie erneut zu suchen.
Schmerzen und Beschwerden
Wenn Berührung oder Penetration schmerzhaft ist, kann der Körper gute Gründe entwickeln, sexuelle Situationen eher zu vermeiden.
Was hat Mental Load mit sexueller Unlust zu tun?
Wer den ganzen Tag Termine, Kinder, Haushalt und organisatorische Aufgaben im Kopf hat, ist möglicherweise körperlich im Bett angekommen, gedanklich aber noch mitten in der Tagesorganisation.
Das bedeutet nicht, dass Mental Load zwangsläufig sexuelle Unlust verursacht. Er kann aber Teil eines größeren Belastungskontextes sein.
Zusätzlich kann die Paardynamik eine Rolle spielen. Wenn eine Frau ihren Partner zunehmend als jemanden erlebt, den sie erinnern, organisieren oder mitversorgen muss, kann sich das auch auf ihr Erleben von Partnerschaft und Erotik auswirken.
Mehr dazu lesen Sie unter Mental Load in der Beziehung .
Warum Druck die Lust häufig noch schwieriger macht
Wenn ein Partner Sex vermisst, ist das Bedürfnis nach körperlicher Nähe legitim.
Problematisch kann es werden, wenn aus diesem Wunsch eine Erwartung entsteht: „Wir hatten schon wieder zwei Wochen keinen Sex.“
Die Frau erlebt dann möglicherweise nicht mehr die Frage „Habe ich Lust?“, sondern: „Sollte ich heute wieder Sex haben?“
Erotische Frage
„Was würde sich gerade gut und interessant anfühlen?“
Pflichtfrage
„Müsste ich meinem Partner heute wieder Sex geben?“
Je stärker Sexualität als Verpflichtung erlebt wird, desto schwieriger kann es werden, Neugier und eigenes Begehren wahrzunehmen.
Kann eine Frau ihren Partner lieben und trotzdem keine Lust auf Sex haben?
Ja.
Liebe, Bindung, sexuelles Begehren und körperliche Erregung hängen miteinander zusammen, sind aber nicht identisch.
Deshalb lässt sich aus geringer sexueller Lust allein nicht ableiten, dass eine Frau ihren Partner nicht mehr liebt.
Umgekehrt sollte fehlende Lust aber auch nicht vorschnell als unbedeutend abgetan werden, wenn sie die Frau selbst oder die Beziehung belastet.
Was verändert sich in und nach den Wechseljahren?
In den Wechseljahren können körperliche Veränderungen Sexualität beeinflussen. Beispielsweise können vaginale Trockenheit, Veränderungen der genitalen Empfindlichkeit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten.
Gleichzeitig bedeutet die Lebensphase Wechseljahre nicht automatisch, dass eine Frau ihre sexuelle Lust verliert.
Auch Beziehung, Stress, Schlaf, körperliches Wohlbefinden, Medikamente und die Qualität der sexuellen Erfahrungen spielen eine Rolle.
Wenn sexuelle Unlust neu auftritt, stark belastet oder mit Schmerzen, vaginaler Trockenheit, Blutungen oder anderen körperlichen Beschwerden verbunden ist, ist eine ärztliche beziehungsweise gynäkologische Abklärung sinnvoll. Auch mögliche Auswirkungen von Medikamenten sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Warum „Wir müssen einfach häufiger Sex haben“ nicht immer funktioniert
Regelmäßige gemeinsame Zeit kann hilfreich sein. Eine Verpflichtung zu sexuellen Handlungen ist jedoch etwas anderes.
Wenn eine Frau wiederholt Sex hat, den sie eigentlich nicht möchte und der ihr wenig Freude bereitet, muss daraus nicht automatisch mehr Lust entstehen.
Sinnvoller kann es sein herauszufinden, unter welchen Bedingungen sexuelles Interesse überhaupt entstehen kann.
Sondern auch: „Unter welchen Bedingungen könnte Sexualität für sie wieder interessant, angenehm und lustvoll werden?“
Was kann eine Frau selbst herausfinden?
Fehlt Lust generell oder nur in bestimmten Situationen?
Gibt es sexuelle Fantasien, Selbstbefriedigung oder Momente von Begehren, aber kaum Lust auf partnerschaftlichen Sex? Diese Unterscheidung kann wichtige Hinweise geben.
Ist Sex angenehm?
Welche Berührungen gefallen wirklich? Gibt es genügend Zeit für Erregung? Ist Sexualität abwechslungsreich und auf die Bedürfnisse beider Partner abgestimmt?
Was bremst?
Stress, Müdigkeit, Konflikte, Schmerzen, fehlende Privatsphäre, Leistungsdruck oder das eigene Körpergefühl können mögliche Faktoren sein.
Was fördert Lust?
Welche Situationen, Fantasien, Berührungen und Formen von Nähe haben früher oder heute sexuelles Interesse geweckt?
Was hat sich verändert?
Wenn früher Lust vorhanden war, lohnt sich die Frage: Was ist heute anders als damals, körperlich, emotional, partnerschaftlich und im Alltag?
Was kann der Partner tun?
Der Partner muss seine eigenen sexuellen Bedürfnisse nicht verleugnen. Gleichzeitig lässt sich Lust selten durch Überreden oder Druck erzeugen.
Hilfreicher kann es sein, neugierig zu werden:
„Warum willst du nie Sex?“
eher:
„Was müsste sich verändern, damit sich sexuelle Nähe für dich wieder interessanter oder angenehmer anfühlt?“
Was ist, wenn beide unterschiedlich viel Sex wollen?
Unterschiedliches sexuelles Verlangen ist in Paarbeziehungen häufig eine Herausforderung.
Dabei ist nicht automatisch der Partner mit mehr Lust „zu fordernd“ und der Partner mit weniger Lust „gestört“.
Das eigentliche Problem kann darin liegen, wie das Paar mit dieser Differenz umgeht.
Genau damit beschäftigt sich auch der nächste Beitrag: Haben Männer und Frauen unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse?
Wann kann Sexualtherapie helfen?
Sexualtherapie kann sinnvoll sein, wenn die unterschiedliche Lust zunehmend zum Beziehungskonflikt wird, Sexualität nur noch mit Druck verbunden ist oder beide nicht mehr wissen, wie sie darüber sprechen können.
Dabei geht es nicht darum, die Frau dazu zu bringen, häufiger Sex zu haben.
Ebenso wenig geht es darum, das sexuelle Bedürfnis des Partners als unwichtig abzuwerten.
Ziel kann vielmehr sein zu verstehen, wie Sexualität für beide erlebt wird, welche Bedingungen Lust fördern oder hemmen und welche Form von sexueller Beziehung beide miteinander gestalten möchten.
Sexuelle Unlust bei Frauen hat nicht die eine Ursache. Stress, Erschöpfung, Mental Load, Beziehungskonflikte, wenig befriedigende sexuelle Erfahrungen, Schmerzen, Medikamente und körperliche Veränderungen können eine Rolle spielen. Weniger spontane Lust bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass grundsätzlich kein sexuelles Interesse entstehen kann. Wichtig ist deshalb nicht nur die Frage, warum Lust fehlt, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie entstehen kann.
Über die Autorin
Dr. rer. nat. Mareike Dittmer ist Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Schwerpunkt Paartherapie und Sexualtherapie. In ihrer Praxis in Zernsdorf, Königs Wusterhausen, begleitet sie Paare unter anderem bei unterschiedlichen sexuellen Bedürfnissen, sexueller Unlust, Schwierigkeiten mit Nähe und Sexualität, emotionaler Distanz und wiederkehrenden Beziehungskonflikten.
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Sexualtherapie und Paartherapie in Königs Wusterhausen
Wenn unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse zunehmend zu Druck, Rückzug oder Verletzungen führen, können wir gemeinsam betrachten, was Ihre Sexualität beeinflusst und wie Sie wieder miteinander über Nähe, Lust und Bedürfnisse sprechen können.
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